Öffentliche Ausschreibung
Ausschreibung für die Evaluation des Projekts “SAFE Support and Aid for Female Genitale Mutilation and Early and Forced Marriage“
ko-finanziert von der EU unter dem Rahmen des Citizens,
Equality, Rights and Values Programme (CERV)
1. Auftraggeberin
TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V.
Brunnenstraße 128
13355 Berlin
Tel.: 030/ 40 50 46 99 – 0
E-Mail: [email protected]
2. Art der Vergabe
Öffentliche Ausschreibung
3. Form des einzureichenden Angebotes
In schriftlicher Form und in einfacher Ausführung, Einreichung per Mail mit PDF-Dokument möglich.
4. Projektbeschreibung
4.1 Projektzeitraum
1. April 2025 bis 30. September 2027
4.2 Hintergrund
Das von der EU ko-finanzierte Projekt „SAFE“ widmet sich der Prävention von weiblicher Genitalverstümmelung (female genital mutilation – FGM) und Früh- und Zwangsverheiratung (early and forced marriage – EFM); zwei Formen von geschlechtsspezifischer Gewalt, die häufig ineinander verschränkt sind. Im Rahmen des Citizens, Rights, Equality and Values Programms der Europäischen Kommission koordiniert TERRE DES FEMMES das zweieinhalbjährige Projekt und setzt dieses gemeinsam mit fünf europäischen Partnerorganisationen – Action Aid International Italia (AAIT), Akina Dada wa Africa (AkiDwA), Equipop France, Save a girl save a generation (SAGSAG) aus Spanien sowie dem europäischen Netzwerk End FGM EU aus Belgien – um.
Nach der erfolgreichen Umsetzung der EU-geförderten CHANGE Projekte (2013-2020: CHANGE, CHANGE Plus und Let’s CHANGE), den Projekten CHAIN (2020 – 2022), sowie „Join our CHAIN“ (2023 – 2025) zur Abschaffung von weiblicher Genitalverstümmelung in Europa und der Erweiterung der Präventions- und Interventionsarbeit zu FGM um die geschlechtsspezifische Gewaltformen Früh- und Zwangsverheiratung soll diese Arbeit mit „SAFE Support and Aid for Female Genital Mutilation and Early and Forced Marriage“ fortgeführt werden. Durch kontinuierliches Empowerment von betroffenen Communitys, durch Trainings, Capacity-Buildung und Sensibilisierung in Zusammenarbeit mit Communitys, Fachkräfte aus dem medizinischen, sozialen und Bildungsbereichen sollen Prävention, Schutz und Unterstützungsmaßnahmen für Betroffene von FGM und EFM gefördert, institutionalisiert, ausgebaut und konzertiert europaweit durch eine Online-Plattform und eine europaweite Handlungsempfehlung verfügbar gemacht werden.
Die Partnerorganisationen in Italien, Irland, Frankreich, Deutschland und Spanien, werden mit insgesamt 30 Community ExpertInnen und 10 Community LeaderInnen aus verschiedenen Diaspora-Communitys zu den Themen FGM und EFM sensibilisieren und an Schulen, in Geflüchtetenunterkünften und im Gesundheitswesen in einen Dialog treten. Durch Aktivitäten in Communitys sollen mindestens 1.700 Menschen aus verschiedenen Diaspora-Communitys und 1.650 Fachkräfte in Europa erreicht werden.
Teil des Projekts wird eine Awareness-Kampagne sein, welche u.a. über einen bereits bestehenden Social Media Projekt Kanal (Instagram) insbesondere Communitys zu den beiden Gewaltformen sensibilisieren, aufklären und ein europaweites Community-Netzwerk stärken soll.
Ein weiteres Hauptziel von „SAFE“ ist die Prävention, (Vor-)Sorge und Unterstützung von gefährdeten und betroffenen Mädchen und Frauen auf institutioneller Ebene. Dazu wird auf europaweiter Ebene eine Handlungsanweisung in Fällen von drohender oder bereits erfolgter Genitalverstümmelung und/oder Früh-/Zwangsverheiratung erarbeitet werden, die in einer englischen, französischen und italienischen Version vorgelegt wird. Diese Handlungsempfehlung wird im Rahmen eines internationalen Symposiums (online) Stakeholdern aus Communitys, Fachkräften, NGO´s etc. vorgestellt werden.
Außerdem bilden die geschulten Community ExpertInnen/LeaderInnen europaweit 1.650 Fachkräfte an Schulen, im Gesundheits- und Sozialbereich, und in Geflüchtetenunterkünften fort, sensibilisieren diese für die Unterstützung und den Umgang mit Betroffenen und Gefährdeten. Die entwickelte Handlungsempfehlungen wird dabei Teil der verwendeten Materialien im Rahmen der Trainings und Schulungen sein.
Um die Arbeit nachhaltig zu gestalten, soll im Rahmen des Projekts durch das vorangegangene Projekt „Join our CHAIN“ initiierte europaweite Community-Netzwerk weiter ausgebaut und damit die Möglichkeit zum Austausch und zur transnationalen Zusammenarbeit gestärkt werden.
Darüber hinaus finden bilaterale Lobbytreffen im Europäischen Parlament sowie eine internationale Konferenz in Brüssel zum Projektende statt, um auch die politische Ebene in den Diskurs zu FGM/EFM einzubinden sowie Forderungen und Bedarfe seitens der Communitys einzubringen.
5. Art und Umfang der Leistungen
Der externe Evaluationsprozess soll aus dem Projekt gewonnene Erfahrungen und Erkenntnisse zusammentragen, um so die Vorgehensweise bei der Bekämpfung von FGM und EFM durch Empowerment der Communitys, der europaweiten Handlungsempfehlung, die Ausbildung von Fachkräften und Advocacy- und Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern. Der/die EvaluatorIn wird die Erhebungsmethoden in Absprache mit der Projektkoordination festlegen und umsetzen. Sowohl ein Evaluationsbericht in englischer Sprache zu Beginn des Projekts (Baseline), nach Hälfte der Projektlaufzeit (Zwischenbericht), als auch zum Ende des Projekts (Abschlussbericht) soll erstellt werden.
Evaluiert werden sollen mindestens:
- 4 Konsortium-Meetings: Logistik, Tagesordnung, Moderation, Entscheidungsprozesse, Zufriedenheit mit Ergebnissen und Entscheidungen
- Ausbildung der Community ExpertInnen/LeaderInnen aus den fünf Partnerländern Italien, Irland, Frankreich, Deutschland und Spanien: eine Erhebung zu Beginn des Projekts bezüglich Einschätzung, Vorerfahrungen und Erwartungen der Community ExpertInnen/LeaderInnen; Evaluation der Trainingssessions und Gesamtausbildung (für die neuen Kontaktpunkte wie Schulen, Bildungseinrichtungen, Geflüchtetenunterkünfte, Gesundheitseinrichtungen)
- Europaweite Online-Plattform: Entwicklungsprozess des neuen Tools, Einbezug unterschiedlicher AkteurInnen wie Communitys, Bedarfe bei der Prävention von EFM und FGM sowie der Unterstützung von Betroffenen, kulturelle Sensibilität
- Europaweite Handlungsempfehlung (Interventionskette) Revision bestehender Interventionsketten in Rom, Dublin und Berlin. Entwicklungsprozess der neuen Interventionskette, Einbezug unterschiedlicher AkteurInnen, Bedarfe bei der Prävention von EFM und FGM sowie der Unterstützung von Betroffenen, kulturelle Sensibilität
- Advocacy Meetings (international, national): Zielsetzung der Treffen, Zielgruppe, Kommunikation, Ergebnisse, Einbindung der betroffenen Communitys, Arbeit der Community Leader /Community ExpertInnen
- 5 Community Events sowie europäisches Austauschtreffen der Community Leader/ExpertInnen
- Trainings für Fachkräfte: Organisation, Relevanz/Qualität des Trainings, Auswirkungen des Trainings auf die Fähigkeit der TeilnehmerInnen Betroffene/Überlebende von FGM und EFM zu unterstützen sowie gefährdete Mädchen zu erkennen und zu schützen, offene Bedürfnisse und Bedarfe
- Awareness-Raising-Kampagne: Weiterentwicklung und Ausbau, Einbindung von betroffenen Communitys, Qualität des Inhalts, Reichweite/Erreichen der Zielgruppen
- Social-Media-Kanäle (Instagram): Weiterentwicklung und Ausbau, Einbindung von betroffenen Communitys, Qualität des Inhalts, Reichweite/Erreichen der Zielgruppen
- Abschlusskonferenz: Organisation, Relevanz, Qualität von Präsentationen, Austausch/Zusammenarbeit
- Projektpublikationen: Erreichen der Zielgruppen, Inhalt/Qualität, Reichweite
Es ist wichtig, dass die Evaluierung einen partizipativen Ansatz verfolgt, der das Do-no-harm-Prinzip berücksichtigt und einen geschlechtersensiblen Ansatz verfolgt.
Geschätzter Aufwand:
Teilnahme Kick-Off Konsortium Meeting und Erstellung Baselinebericht dazu insgesamt 6 Interviews mit allen PartnerInnen: 18 Arbeitstage + 2 Arbeitstage Kick-Off Meeting Konsortium. Insgesamt 20 Arbeitstage.
Midtermreport pro Land (insgesamt 5 ausführende PartnerInnen) ein Interview in jeder Zielgruppe (insgesamt 5) geführt. 5 x 5 = 25 Interviews in den Zielgruppen: Community Experten/Leader, Fachkräfte, Lehrkräfte, Schülerinnen, Mitarbeitende in Geflüchteten- Unterkünften, + 6 Interviews mit Vertreterinnen der Partnerorganisationen, Insgesamt 31 Interviews(30 Arbeitstage).
Es hat sich gezeigt, dass die Teilnahmebereitschaft von bestimmten Zielgruppen an schriftlichen Evaluationen nicht sehr hoch ist. Aus diesem Grund müssen schriftliche Befragungen durch persönliche Interviews ersetzt werden, um zielgruppengerecht zu sein.
Finalreport pro Land (insgesamt 5 ausführende PartnerInnen) ein Interview in jeder Zielgruppe (insgesamt 5) 5 x 5 = 25 Interviews in den Zielgruppen: Community Experten/Leader, Fachkräfte, Lehrkräfte, Schülerinnen, Mitarbeitende in Geflüchteten-Unterkünften, + 6 Interviews mit Vertreterinnen der Partnerorganisationen. Insgesamt: 31 Interviews(30 Arbeitstage).
Ziel der Evaluation ist eine Wirkungsanalyse (Outcomes, Impact) auf den oben genannten unterschiedlichen Ebenen.
Umsetzung innerhalb des Projekts:
Die Evaluationsstrategien und -methoden werden vor Projektbeginn gemeinsam von dem/der EvaluatorIn und der Projektkoordination festgelegt. Insgesamt soll eine quantitative Erhebung durch qualitative Datenanalyse (bspw. durch semistrukturierte Interviews) ergänzt werden.
7. Ort der Leistungserbringung
Auftakttreffen (Konsortium Meeting) im Juni 2025 in Rom und ggf. eine Reise zum Projektabschluss nach Brüssel (September 2027). Außer diesen zwei Präsenztreffen gibt es keine Vorgaben zum Ort der Leistungserbringung, die/der AuftragnehmerIn ist in der Wahl ihres/seines Tätigkeitsortes frei.
8. Teilnahmebedingungen/ Anforderungen an das Angebot
Es wird erwartet, dass folgende Erfahrungen mitgebacht werden:
- Fundierte Erfahrungen in Evaluationsaufgaben und -methoden
- Fundierte Erfahrungen mit Projekten in kultursensiblen Bereichen wie z.B. geschlechtsspezifische Gewalt
- Sehr gute Englischkenntnisse in mündlicher und schriftlicher Form, weitere Fremdsprachenkenntnisse (Französisch, Italienisch) sind von Vorteil
- Interkulturelle Kompetenz
- Erfahrungen mit EU-Projekten ist wünschenswert
Das schriftliche Angebot muss Folgendes enthalten:
- Eine maximal fünfseitige Kurzskizze über die geplante Vorgehensweise (Konzept) mit Beschreibung der methodischen Vorgehensweise und der Instrumente
- Eine Kostenaufstellung (zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer)
- Eine Eigendarstellung der Bewerberin/ des Bewerbers (m/w/d), einschließlich des Leistungsspektrums des Unternehmens sowie eine Aufschlüsselung der MitarbeiterInnenstruktur und Qualifikationen (bei Angeboten von Einzelpersonen: Lebenslauf)
- Referenzliste mit Referenzschreiben
9. Zuschlagskriterien
Der Zuschlag erfolgt auf die Bieterin/ den Bieter (m/w/d), deren Konzept die nachfolgenden Kriterien bestmöglich erfüllt.
- Konzeptionelle Stärke: Vollständigkeit, Antizipation der Aufgabe, Schlüssigkeit des Zeitplans, Evaluationsmethode, Aussagekraft des Gesamtkonzepts (50%)
- Erfahrungen mit ähnlichen Projekten (25%)
- Preisangebot (25%)
Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne per E-Mail zur Verfügung.
Bitte senden Sie Ihre Bewerbungsunterlagen bis zum 14. April 2025 an die zuständige Projektkoordinatorin: Petra Kappler unter [email protected]